Gegenwartsmühle

Interactive Video Installation | 1 video | 4 images | 289 words

Der Kunstverein Hannover wird als reale Ausstellungsort mit einer ortspezifischen Rekonstruktion seiner selbst konstrastiert. Dem Betrachter eröffnet sich auf dem Bildschirm dieses minimalistischen Videospiel-Automaten eine realistische und begehbare Entsprechung seiner tatsächlichen Umgebung. Der virtuelle Raum mag ebenso Eskapismus sein wie  Konfrontation. Ob die Installation nun mit der Wirklichkeit bricht oder nur mit der Erwartungshaltung des Betrachters bleibt vorerst offen, jedenfalls weist die virtuelle Austellungssituation sehr bald eigenwillige Facetten auf.

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videoIn dieser Parallelausstellung des Kunstvereins im Kunstverein finden sich dreidimensionale Objekte aus Computerspielen zu virtuellen Ready-Mades arrangiert, welche auf Annäherung reagieren, vom Sockel springen und sich derformieren. Objekthaftigkeit und Materialität stehen in diesem informationsbasierten Raum zur Disposition und die Frage nach dem intentionalen Kern der Dinge gewinnt an Gewicht. Umgekehrt spiegelt sich der Betrachtr in seiner Anschauung, denn der virtuelle Raum ist von zu Plastiken erstarrten Rezipienten bevölkert, die in Experimenten mit 3D Scannern entstanden sind. Diese Übertragungs- und Durchdringungsversuche zwischen analogem und digitalem Kosmos, realer Subjektivität und virtueller Objektivität sollen die Durchlässigkeit dieser Grenzen ausloten.

 

Die Videoinstallation wurde mit Echtzeit-3D-Software realisiert und spielt mit dem immersiven Charakter des Virtuellen. Kamerabasierte Gesichtsverfolgung errechnet unbemerkt den Blickpunkt des Betrachters und überträgt ihn ins Virtuelle.

Im Zentrum des Interesses wird jener Moment der Interaktion gerückt, den moderne Computertechnik und Software initiieren. In diesem Moment treten Objekte aus der Passivität ihrer Ausstellungssituation heraus und gehen in einen Zustand aktiver Kommunikation mit dem Betrachter ein. Mal offenbaren sie freimütig ihre Facetten und Details, mal lassen sie sich diese nur widerwillig entlocken und müssen erkundet werden. So entwickelt die „Gegenwartsmühle“ seinen artifiziellen und eigensinnigen Reiz.

Die experimentelle Arbeit mit den visuellen und technischen Möglichkeiten neuer Medien bedeutet auch eine Transformation klassischer Werkprozesse auf die Informationsebene. Das lässt sich wiederum als Ansatz zur Hinterfragung von Paradigmen und Begrifflichkeiten der Kunst im sich wandelnden, medialen Kontext verstehen.

 Ein kurzes Video mit Bewegtbildmaterial aus der Ausstellungssituation

Gegenwartsmühle

Der Bildraum, also die räumliche Situation im Bild, steht mit dem Raum des Betrachters, des Rezipienten und Nutzers in einer ganz bestimmten Beziehung. Eigenart und Ort des Bildes fließen zusammen mit den persönlichen Interessen und Wahrnehmungsfähigkeiten des Betrachters.

Die räumliche Gestaltung der Rezeptionsumgebung spielt in den Arbeiten von jens Isensee vom Entwurfsprozess an eine mitbestimmende Rolle. Sein künstlerischer Ansatz fußt auf der Schaffung innovativer Ausdrucksformen und Nutzungen in bislang ungesehener Zusammenführung bestehender Medien- und Raumkonzepte.

Es sind also die ungewohnten Lesarten, Wahrnehmungs- und Rezeptionsformen des neuen bewegten, interaktiven und immersiven Bildes, deren Möglichkeiten jens Isensee in seinen ortsspezifischen Installationen auf den Grund geht. Die freie Auseinandersetzung mit der aktuellen Medienwirklichkeit als Auseinandersetzung mit den Funktionsweisen virtueller Medienbilder und der Art, wie diese unsere Vorstellung beeinflussen, steht hierbei im Fokus.

Text von Deborah Uhde

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Vom Hier und Jetzt

29.6. – 25.8. Kunstverein Hannover

Besonders reizvoll klingt der Titel der Installation im Zusammenspiel mit demjenigen der zweijährlich stattfindenden Herbstausstellung des Kunstvereins Hannover. „Vom Hier und Jetzt“ kündet von dem Suche nach Verortung und Gegenwart in einer sich verflüchtigenden Zeit. Ebenso wie die Reproduktion verheißt, ist sie Eskapismus. Der Kunstverein präsentiert sie bis zum 25. August 2013 zusammen mit den „aktuellsten künstlerischen Arbeiten aus Niedersachsen und Bremen. Diese Überblicksschau versteht sich als Plattform für herausragende Positionen der aktuellen nordwestdeutschen Kunstszene.“ Zur Ausstellungsbeschreibung >

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English Description

Feigned Reality is a site specific interactive video installation. The viewer enters a realtime 3d scenario that is a spatial reconstruction of the actual exhibition situation. He is confronted with a digital version of his surrounding and maybe with the idea that any so called reality is constructed in some way. It’s basicly a interpretation of the architecture around the work that is resembling and playing with it to some extent. It’s a modified game engine program running on that video installation as shown in the concept pdf file. The terminal is a minimalistic replica of an arcade video game, which is an medial anachronism of the 90-00s already. So exhibiting this work would require a partly spatial reconstruction of the Place where the work is about to be shown. Every new space that is created for this work is connected to the others. All past exhibition situations can be entered from the latest version. This way the installation so it is constantly growing. The images from the last version are showing the Kunstverein Hannover – Herbstausstellung 2013. Additionally the head position and rotation is tracking by a small video camera and translated into the program to calculate the threedimensional perspective of the viewer and make it an even more immersive experience.